Montag, 27. Februar 2012

Abends beim Konzert

"Black tie" ist die korrekte Wahl für viele Abendanlässe. Leider ist dies weithin unbekannt (Foto: Bernhard Roetzel)


Konzertabend in einem Kirchenbau in Berlin. Ziehe ich den dunklen Anzug an oder den Abendanzug? Ich entscheide mich für den Abendanzug. Als ich den Zuschauerraum betrete, bietet sich das übliche Bild. Frauen und und unrasierte Männer in allen Varianten von Freizeitkleidung. Pullover, Anoraks, Fleecejacken. Jeans in Blau und Schwarz. Bergstiefel und Turnschuhe. Lediglich einige ältere Mütterchen zeigen einen Ansatz von Festlichkeit durch schwarze Rollis oder schwarze Hosen. Zwei oder drei junge Mädchen, die Beine im Sitzen verknotet, tragen den üblichen Mainstreamschick von H & M oder Zara. Meine Aufmachung erregt kaum Interesse. Man schert sich in Berlin nicht darum, was andere anziehen. Nun betritt der Musiker den Saal. Interessanterweise hat er für den Abend den Frack gewählt. Anscheinend meint er, den Anlass auch durch seine Kleidung ehren zu müssen. Nichts anderes wollte ich tun.

3 Kommentare:

Blogger Mike meinte...

Eine Renaissance der guten Kleidung wird es wohl nie geben. Leider sieht es so aus, als müssten wir uns damit abfinden, was ärgerlich, aber nicht zu ändern ist.

Kirchen sind ein Ort für Menschen aller Schichten (Heutzutage besitzt ja kaum ein Mann einen Anzug, wenn er ihn nicht für den Job benötigt). Und ein zugiger Ort noch dazu. Wenn sich die Leute also wie Eskimos einpacken, kann ich es schon irgendwie nachvollziehen, wenngleich ich dies ebenso wie Sie als extrem stillos betrachte.

Sehr interessant sind Hochzeiten und Taufen. Was ich da schon alles gesehen habe...
Haufenweise neugekaufte, schlecht sitzende Anzüge (6 von 10 noch mit Herstelleraufnäher [immer Boss] auf dem linken Ärmel) und schlechte Schuhe.

Ich weiß gar nicht, was ich schlimmer finde: Lloyd-Schuhe oder schreiend-bunte Jack-Wolfskin-Jacken.

27. Februar 2012 um 02:28  
Blogger Bernhard Roetzel meinte...

Aus Diskretionsgründen habe ich den "Kirchenbau" nicht näher beschrieben. Allerdings handelte es sich nicht um einen echten Sakralbau, vielmehr einen Saal.

Ich stimme zu, dass Kirchgänger heutzutage selten noch den "Sonntagsanzug" tragen, was früher auch bei den so genannten "einfachen" Leuten noch üblich war. Allerdings waren die Gäste an dem Abend zu 90 Prozent keine Gemeindemitglieder und das Konzert hatte rein weltlichen Charakter.

Mich persönlich stört die Kleidung anderer Leute nicht, letztlich sind Bekleidungsregeln Konventionen. Und die kommen und gehen. Unangenehmer finde ich, dass es heute unbekannt zu sein scheint, dass man pünktlich erscheint und bei nichtpünktlichem Erscheinen nicht mittendrein hereinkommt.

27. Februar 2012 um 02:45  
Blogger Mike meinte...

Wie wahr, wie wahr. Manieren haben heutzutage Seltenheitswert.

Den Punkt "Kirchenbau" habe ich nicht ausreichend interpretiert.

Säle haben oftmals den Nachteil, dass sie eine weniger gute Luftdurchmischung im Vergleich zu Kirchen bieten. Und gerade bei einer Häufung unrasierter Fleecejacken-/Anorak-/Bergschuhträger ist dies dann sicherlich keine olfaktorische Oase...

27. Februar 2012 um 03:04  

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