Mittwoch, 15. Februar 2012

Krawattenklammern

Die Krawattenklammer mit lustigem Motiv ist vielen suspekt, nur wenigen ist aber ihr Zweck bewusst (Foto: Bernhard Roetzel)

Die Krawattenklammer ist umstritten. Die einen halten sie für ein nützliches und dekoratives Accessoire, andere verachten sie als Ausdruck spießigen Ordnungswahns. Tatsächlich geht es um die Frage, ob der Langbinder auf der Hemdbrust ein Eigenleben führen darf oder ob er an dem Platz bleiben soll, an dem ihn sein Träger mit Hilfe der Krawattenklammer befestigt hat. 

Diese Frage muss jeder für sich beantworten. Wichtig ist vor allem die Tatsache, dass dies der Sinn der Krawattenklammer ist. Sie soll verhindern, dass die Krawatte verrutscht. Deshalb wird sie so gut als möglich unter dem Sakko verborgen, also möglichst weit unten angebracht. Beim Einreiher ist sie dann zwar dennoch zu sehen, unter den Revers des Doppelreihers bleibt sie dagegen unsichtbar. 
Dieser eigentliche Sinn der Krawattenklammer ist weithin unbekannt, die meisten Männer halten sie für ein Schmuckstück und platzieren sie deshalb gut sichtbar in Brusthöhe. 

Ich finde es nicht schlimm, wenn der Binder mal verrutscht. Allerdings kann ich verstehen, dass manche Männer, die in der Öffentlichkeit stehen und viel fotografiert werden, ihren Binder lieber fixieren. Und wer verrutschende Krawatten nicht mag und Krawattenklammern auch nicht? Der muss Schleife tragen.

5 Kommentare:

Blogger Hans meinte...

Wie verhält es sich mit einer Krawattennadel? Ist sie ein Schmuckstück oder hatte sie vormals eine Funktion?

15. Februar 2012 um 13:36  
Blogger Bernhard Roetzel meinte...

Die Krawattennadel hatte ursprünglich die Funktion, ein gefaltetes Halstuch bzw. eine Halsbinde zu fixieren. Heute ist die Krwattennadel nur noch Schmuckstück.

16. Februar 2012 um 00:33  
Blogger Mike meinte...

Ich besitze (noch) keine Krawattenklammer und weiß auch nicht so recht, was ich davon halten soll. Sicherlich ist es hilfreich, wenn beim Überbeugen am Buffet oder am Tisch der Binder nicht ins Essen hängt, aber dies wird ja meistens eh durch ein geschlossenes Jackett verhindert.

Unser Kollege Spoozy von Kleidsam trägt hin und wieder Klammern, die ihm dann aber ausgezeichnet stehen.

Bei Männern, die kein sonderlich großes Stilbewusstsein haben, wirkt eine Klammer aber immer ein wenig clownesk und spießig.

Meine Krawatte darf ebenfalls gern verrutschen. Ich nutze auch nicht die Schlaufe, um das schmale Ende zu fixieren. Ist mir alles zu perfekt.

Ihren Punkt mit den "Männern der Öffentlichkeit" sehe ich eher so, dass Politiker, die ja zweifellos zu den am meisten fotografierten Männern in Deutschland gehören, durch die Bank weg unfassbar schlecht sitzende Anzüge (wie Kinder in hand-me-downs des großen Bruders) und erbarmungswürdige Krawatten (selbst bei Gutti habe ich bspw. noch nie einen Dimple gesehen) tragen. Wer sich also so wenig Gedanken über seine Kleidung macht, dem ist sicherlich auch eine verrutschte Krawatte egal.

Also: Würde ich eine Klammer besitzen, trüge ich sie auch verdeckt.

16. Februar 2012 um 01:14  
Blogger Bernhard Roetzel meinte...

Ich stimme Ihrer Beschreibung des Stils unserer Politiker zu. Von wenigen Ausnahmen aus der Vergangenheit abgesehen (z. B. Walter Leisler Kiep) tragen die Politiker in aller Regel keine gut sitzenden Anzüge oder gut gebundene Krawatten.

Interessanterweise habe ich mal bei Recherchen eine Aufnahme von Prince Charles entdeckt, auf der zu sehen war, dass er kurz über dem Gürtel unter dem Zweireiher eine Krawattenklammer trug.

16. Februar 2012 um 01:18  
Blogger Mike meinte...

Die Krawattenklammer beim Zweireiher von Prince Charles halte ich für sehr clever. Da das DB Jacket nie offen getragen wird, ist eine Klammer eigentlich sinnlos. Mit der Klammer zeigt er, dass er die Regeln kennt (für mich ist er eh einer der bestgekleideten Männer unserer Zeit) und sie bewusst bricht. Eine Art understated Exzentrik.

Oder vielleicht: DB with a twist, der nur dem geschulten Auge auffällt.

16. Februar 2012 um 03:29  

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