Montag, 4. Februar 2013

Butler: Selbst ist der Gentleman

Ich habe vor einiger Zeit eine Butlerschule in London besucht. Ich war verblüfft, dass man dort Quereinsteigern aus fachfremden Berufen in nur wenigen Wochen alle Kenntnisse beibringen möchte, die dazu erforderlich sind, den Haushalt eines wohlhabenden oder reichen Dienstherrn zu leiten. Dabei ging es neben anderen Fächern auch um die Auswahl und die Pflege der Garderobe.

Es ist völlig illusorisch zu glauben, dass man jemandem, der bisher Autos verkauft hat, Flugbegleiter war, Automechaniker oder Leibwächter, in so kurzer Zeit so viel Wissen vermitteln zu können, dass er einen zahlungskräftigen aber stillosen Chef gut beraten kann bei der Bestückung des Weinkellers, bei der Einrichtung des Hauses, bei der Zusammenstellung von Menüs oder bei der Bestellung von Maßkleidung. Gleichwohl ist es natürlich möglich, all diese Kenntnisse zu vermitteln. Aber nicht in wenigen Wochen.

Die meisten Menschen müssen ohne Butler auskommen und ohne Kammerdiener. Der Gentleman des Gentleman ist für die Mehrheit selbst der gut verdienenden Minderheit unerschwinglich. So beschränken sich die modernen Männer in der Regel darauf, ihr eigener Butler zu sein. Die Kenntnisse, die man benötigt, sich selbst zu verwöhnen, kann man sich in aller Ruhe und mit viel Spaß selbst beibringen.

3 Kommentare:

Anonymous Anonym meinte...

Die übergeordnete Frage ist, ob ein Butler überhaupt noch in unsere Zeit passt.

Die unter uns, die weder Monarch noch Oligarch sind, kommen vermutlich auch ohne aus, was nicht heißt, dass man sich nicht hier und da Hilfe zukauft.

In Zeiten von Smartphone, Personal-Assistant aus Indien, Flughafen-Lounges (auf einem Servicelevel, das früher kaum 5-Sterne-Häuser erreichten inkl. kostenfreiem Transfer), Reinigung mit Abholservice, Blumen- (und zig anderen "Recurring-Services") via Internet sowie Concierge-Service der Kreditkarte / des Apartmenthauses / des Hotels / des Business-Clubs etc. bleibt doch wenig "Nerviges", das man an einen Butler auslagern möchte und muss.

Und wie Sie feststellen - nicht nur das "Lernen" macht Spaß, selbst Dinge wie Reisetasche packen und Dress zusammenstellen würde ich auch mit Butler selbst erledigen. Woher soll der Butler wissen, nach welcher Farbe oder welchem ausgefallenen Dessin es mich gelüstet? Das ist doch auch eine Stimmungsfrage.

- Donatus

4. Februar 2013 um 09:08  
Blogger Bernhard Roetzel meinte...

Ich gebe zu, dass ich Hauspersonal für eine große Annehmlichkeit halte. Allerdings stehe ich mit dieser Ansicht wohl relativ allein da.

4. Februar 2013 um 10:46  
Blogger The Viceroy meinte...

Relativ allein vielleicht, aber nicht ganz allein.

Da heute das meiste an materiellem Luxus sich nur noch graduell vom hohen allgemeinen Lebensstandard unterscheidet - der Unterschied zwischen zwei Tagesreisen zu Fuß oder per Sänfte ist doch ein anderer als der zwischen zwei Stunden in der C-Klasse oder im Maybach - oder gar bei de facto gleicher Produktqualität ausschließlich ein durch gutes Marketing suggeriert wird, sind in meinen Augen die freie Verfügung über die eigene Zeit und die Möglichkeit, sich alles Unangenehme oder Störende durch verlässliche dienstbare Geister abnehmen zu lassen, die letzten echten Ausprägungen von Luxus.

dE

12. Februar 2013 um 02:44  

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