Freitag, 18. Januar 2013

Tragbar oder untragbar?

Der Hut ist heute nicht mehr selbstverständlicher Teil der Herrengarderobe, dennoch nimmt er nach wie vor einen wichtigen Platz ein (Foto: Bernhard Roetzel)

Was ist noch tragbar und was gehört ins Museum? Und welche Kleidungsstücke und Accessoires verdienen es, aus der Versenkung geholt zu werden? Hier fünf Beispiele:

1. Spazierstock
Unzweifelhaft elegant, als Accessoire aber nicht mehr im Gebrauch. Selbst beim Wandern ist er aus der Mode gekommen. Beim Nordic-Walking erlebt er allerdings eine Renaissance. Beim Spaziergang auf dem Land ist ein Spazierstock aber durchaus nützlich und wirkt da weniger antiquiert als beim Bummel in der Stadt. Also bedingt tragbar.

2. Gehrock
Frack und Cutaway sind die heute die einzigen noch üblichen Schoßröcke. Gehröcke sind hingegen kaum noch im Gebrauch. Sie wurden noch bis in die 1920er bei feierlichen Anlässen am Tage getragen, der sportlichere Cut löste sie dann nach und nach ab. Theoretisch könnte man bei Cut-Anlässen auch heute noch im Gehrock erscheinen, allerdings bestünde dann die Gefahr, dass man kostümiert wirkt. Also eher nicht mehr tragbar. Das gilt auch und vor allem für Gehröcke im Stil gewisser Hochzeitsanzüge.

3. Gamaschen
Gamaschen, die in der Umgangssprache auch als "Hundedeckchen" bezeichnet wurden, sind an kälteren Tagen sicherlich angenehm an den Knöcheln. Dennoch würde ich behaupten, dass sie ins Museum gehören. Wer sie trägt, gehört für mich in die Kategorie "Reenactment". Wobei ich damit nichts gegen die Leute sagen will, die sich mit Hilfe ihrer Kleidung in eine andere Epoche versetzen. Lieber gut altmodisch gekleidet als schlecht zeitgemäß.

4. Hüte
Der Herrenhut ist für mich sommers wie winters unentbehrlich. Ob er zum persönlichen Stil passt, hängt von Kleidung und Frisur ab. Hüte sehen am besten aus, wenn das Haar aus der Stirn gestrichen getragen wird.

5. Hosenträger
In den Augen des durchschnittlichen Anzugträgers gehören Hosenträger ins Museum oder ins Kino (z. B. in die Originalfassung von "Wallstreet"). Tatsächlich sind Hosenträger aber eine ganz normale und sinnvolle Methode, die Hosen am Herunterrutschen zu hindern.

6. Handschuhe
Gemeint sind nicht die Handschuhe, die bei Kälte oder bei bestimmten Arbeiten die Hände schützen. Ich meine den Handschuh als Accessoire. Als der Herr noch Hut und Stock trug, also grob in den zwei Jahrhunderten vor dem ersten Weltkrieg, gehörten Handschuhe zur vornehmen Grundausstattung. Handschuhe in diesem Sinne zu tragen, mag anachronistisch wirken, ich halte sie in dieser Funktion aber für legitim und nicht albern. Zumal es auch unter dem hygienischen Aspekt nicht unvernünftig sein kann, nicht jedes Geländer mit bloßen Händen anzufassen.




3 Kommentare:

Anonymous Anonym meinte...

wie sieht es mit der taschenuhr aus?

als kind war ich immer begeistert, wenn opa an dem kettchen zog,
und so ein kleines goldenes ding mit einer klappe kam zum vorschein.

ein schönes erbstück kann man heute sicherlich hier und da noch tragen, im grossen und ganzen ist meiner meinung nach die taschenuhr als alltagsuhr eher ein fall fürs museum...

herzliche grüsse,
c.schmalz

19. Januar 2013 um 09:35  
Blogger Bernhard Roetzel meinte...

Die Taschenuhr wird heute aus mehreren Gründen selten getragen, z. B. weil Männer kaum noch Westen verwenden. Zum Frack wäre eine Taschenuhr aber z. B. sehr stilvoll.

21. Januar 2013 um 05:26  
Anonymous Anonym meinte...

Und was ist mit zweifarbige Schuhe? Und Melonen?

12. Februar 2013 um 12:10  

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