Montag, 3. Dezember 2012

Die Wachsjacke und das Jahr 2000

Meine alte Moorland-Jacke von Barbour (Foto: Bernhard Roetzel)

Im Jahr 2000 hatte ich die Ehre, bei der Jahresversammlung der British Menswear Guild eine Rede halten zu dürfen. Im Flugzeug nach London legte ich mir ein Thema zurecht. Ich wollte eine Prognose darüber abgeben, was sich in den kommenden zehn Jahren in der Herrenmode verändern wird.

Da ich die Rede auf Basis von Notizen hielt, ist der Inhalt meiner Ansprache nicht mehr erhalten. Ich darf aber sagen, dass ich mich in einigen Punkten geirrt habe und in einigen Punkten nicht ganz daneben lag. Peinlich war aber meine Vision, dass es 2010 keine Regenbekleidung mehr geben wird. Ich sah voraus, dass man dann die Stoffe wasserdicht ausrüstet und Wachsjacken oder gummierte Mäntel überflüssig sein werden. Peinlich war sie nicht, weil diese Aussage fachlich falsch war (auch wenn sie nicht eingetreten ist). Vielmehr, da am Tage meiner Rede ein Hersteller gummierter "Macs" in die Guild aufgenommen wurde. Die Briten nahmen meinen kleinen Fauxpas mit Humor. Geblieben ist mein Irrtum. Traditionelle Regenkleidung aus der Pre-Goretex-Ära erfreut sich heute großer Beliebtheit. Wachsjacken sind derzeit sogar bei den so genannten "Hipstern" in.

Ich selbst trage meine "Moorland" von Barbour, die ich 1989 in Hamburg bei Smith Traditional gekauft habe, relativ selten. Sie wurde bereits zweimal in der Fabrik restauriert und besteht inzwischen überwiegend aus Ersatzteilen. Praktisch ist die Barbour aus dem schweren "thornproof" tatsächlich bei der Gartenarbeit. Allerdings nur, wenn es nicht zu kalt oder nicht zu warm ist. Über dem Sakko oder dem Anzug trage ich diese Jacke allerdings so gut wie gar nicht mehr. Aufgrund ihrer Kürze tropft Regenwasser auf Sakkosaum und Hosen und schützt auch wenig vor dem Wind. Am angenehmsten trägt sich die Moorland bei ca. zehn bis fünfzehn Grad Celsius mit Hemd und Pullover darunter und Kordhosen oder Chinos.

2 Kommentare:

Blogger Mike meinte...

Mich würde interessieren, ob sich etwas an der Qualität der Jacken geändert hat, seit dem es vor einigen Jahren das große Make-Over (Neues Tartan, Brand-Stiching auf der Tasche, neue Labels) gab. Produziert Barbour noch immer in England?

Meine Beaufort (http://inner-city-style.blogspot.de/2010/12/vintage-clothes-my-old-barbour.html) und (http://www.kleidungskultur-soer.de/?p=554) ziehe ich nur noch im Garten oder Wald an.

Eine Reparatur wäre mir im Vergleich zu einer neuen Jacke eigentlich zu teuer.

3. Dezember 2012 um 05:20  
Blogger Bernhard Roetzel meinte...

Man müsste mal einen Test machen. Wobei mir die Optik und der Griff der neuen Jacken gar nicht mehr gefällt. Und ein Label auf der Tasche ist natürlich auch nicht sehr vornehm.

Bei Anlässen, die früher für die Barbourjacke reserviert waren, trage ich heute eher den Fieldcoat von Chrysalis. Auch wenn der manchmal ein wenig bieder wirkt. Aber er ist warm, wasserdicht, kuscheliger und riecht nicht.

3. Dezember 2012 um 05:24  

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