Dienstag, 31. Januar 2012

Motivkrawatten

Krawatte von Harrods mit Katzen und Mäusen (Foto: Bernhard Roetzel)

Binder von Hermès mit einem Motiv aus den Fabeln von La Fontaine (Foto: Bernhard Roetzel)



Motivkrawatten polarisieren. Als ich z. B. vor einigen Jahren einen Vortrag in München gehalten habe und mich positiv über die Motivkrawatten von Hermès äußerte, wurde ich von einem der Zuhörer heftig angegriffen. Ihm waren Motivkrawatten aller Art ein Gräuel und er verstand nicht, dass ich ihnen etwas abgewinnen konnte. 


Vor ca. 25 Jahren bin ich in einem Londoner Secondhandladen auf die oben abgebildete Motivkrawatte von Harrods gestoßen. Ich fand sie irgendwie witzig und erwarb sie, getragen habe ich sie seitdem fünf- oder sechsmal. Das Motiv ist zwar grafisch nicht schlecht ausgeführt, erschien mir aber doch ein wenig zu groß und zu gewollt niedlich.


Ebenfalls in London habe ich vor ca.12 Jahren bei Hermès in der Bond Street die abgebildete Krawatte erworben. Sie habe ich wesentlich häufiger getragen. Nicht wegen des prestigeträchtigen Markennamens, vielmehr wegen des Bezugs zur Literatur. Das Motiv und die Erklärung durch die Fabeln von La Fontaine sind ein guter Konversationsstarter. Außerdem ist das Motiv kaum erkennbar, wenn man es aus der Entfernung betrachtet. 


Auch ein Motiv: Der Pfau auf der Krawatte der British Menswear Guild, die ich im Jahr 2000 im Anschluss an meinen Vortrag bei deren Annual Lunch im Sartoria-Restaurant in der Savile Row geschenkt bekommen habe (Foto: Bernhard Roetzel)


Weniger verpönt unter den Motiven sind interessanterweise Wappen oder symbolträchtige Tiere. Manch einer, der sich über Mäuse mokiert, akzeptiert ohne weiteres Elefanten auf einem Binder. Allerdings gibt es ein Motiv, das auch mir ein Gräuel wäre: Die Diddlmaus. Aber auch das ist natürlich Geschmackssache. 







3 Kommentare:

Blogger Mike meinte...

Ich glaube, es kommt immer darauf an, wie diskret das Motiv ist. Tiermuster sind aus meiner Sicht nicht zu verspielt, wenn man ganz genau hinschauen muss, um überhaupt etwas zu erkennen. Den Pfau der BMG-Krawatte finde ich hervorragend, weil er auf den ersten Blick wie ein Wappen aussieht. Der Harrods-Binder gefällt mir weniger, was aber an der Farbzusammenstellung liegt.

Anders sieht es dann natürlich mit Motiven wie Büchern oder Autos aus. Grauenhaft!

Ich erinnere mich an einen Dozenten, der öfter mal Holz- und Metallkrawatten trug. Das war für mich hart an der Grenze der Abartigkeit und vielleicht doch schon darüber hinaus...

Da fällt mir etwas ein: Was ist, wenn eine Krawatte mit grauenhaftem Muster perfekt gebunden ist? Korrekte Länge, angenehme Breite, schöner Dimple.

Wäre dies dann "bad taste with a twist"? Vielleicht...

31. Januar 2012 um 04:39  
Blogger Bernhard Roetzel meinte...

Es gibt in der Tat sehr intelligent ausgewählte und geschmackvoll ausgeführte Motive. Aber selbst Motive, die auf den ersten Blick geschmacklos erscheinen, stehen nach der Erklärung durch den Träger in einem anderen Licht dar und sind dann wenigstens verständlich. Ob das Verständnis dazu führt, dass man das Motiv mag, ist eine andere Frage. Mein Freund Francesco Maglia, der ein durch und durch stilvoller Mensch ist, trägt gelegentlich Binder mit Schirm-Motiv. Bei jedem anderen würde ich das albern finden, bei ihm sieht es aber gut aus.

"Bad taste with a twist" ist gut. Wobei es auch heißen könnte "good taste with a twist".

31. Januar 2012 um 04:44  
Anonymous gutscheine zum ausdrucken meinte...

Useful information, thank you very much.

15. März 2013 um 06:09  

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