Montag, 14. Februar 2011

Früher alles besser?


Die fünfziger Jahre gelten vielen als geschmacklose Epoche, die Mode dieser Dekade war jedoch im förmlichen Bereich oftmals sehr ausgefeilt. Dies bewies 2002 die Ausstellung "Nylon & Caprisonne" im Münchener Stadtmuseum, deren Katalog wertvolles Quellenmaterial bietet.


Fans des klassischen Stils sind oftmals Nostalgiker und manchmal sogar Snobs. Denn früher ging es sicherlich oftmals stilvoller zu, dafür konnten sich in fünfziger Jahren viel weniger Leute gute Kleidung leisten. Heute haben die Menschen in Europa mehr Geld als jemals zuvor, gleichwohl ziehen sich immer weniger Menschen stilvoll an. Ich sage das als jemand, der zwar gern in alten Bildbänden blättert, um das Alltagsleben früherer Epochen zu studieren, gleichzeitig aber Realist genug ist, um auch gewisse Nachteile der Vergangenheit zu sehen. So würde der moderne Mensch z. B. die weitgehende Abwesenheit desodorierender Körperpflegemittel als Nachteil empfinden. Dennoch behaupte ich:

1. Weniger Kleidung zu haben, war kein Nachteil
Noch in den frühen Sechzigern des 20. Jahrhunderts besaßen auch relativ gut gestellte Herren viel weniger Anzüge, die obendrein wesentlich länger getragen wurden. Waren sie deshalb unglücklich? Oder gar schlecht angezogen? Wohl kaum.


2. Kleidung war ein relativ rares Gut, deshalb wurde sie auch geschätzt
Was nichts kostet, ist nichts wert. Wer einen relativ hohen Anteil seines Lohns für seine Kleidung ausgeben musste, schätzte sie dafür um so mehr. Hemden wurden ausgebessert, Strümpfe gestopft und Schuhe gepflegt. Empfanden die Menschen diese werterhaltenden Maßnahmen als Last? Vielleicht. Die Beschäftigung mit der Kleidung bei Pflege und Ausbesserung schuf dafür aber ein Empfinden für Material und Qualität.


3. Konventionen waren Konsens
Wer heute zu einem feierlichen Anläss einlädt, wird in der Regel eine bunte Gästeschar empfangen. Das ist wörtlich gemeint, denn der weitgehend einheitliche Auftritt der Herren im dunklen Anzug ist praktisch passé. Noch im ersten Nachkriegsjahrzehnt wäre es auch einem Arbeiter nicht eingefallen, in Freizeithemd zu einer Silberhochzeit zu gehen. Die Mehrheit war sich darüber, was sich kleidungsmäßig gehört. Über Klassengrenzen hinweg.

3 Kommentare:

OpenID lampersdorf meinte...

Wiedereinmal sprechen Sie mir aus der Seele.

Elegante Herrenbekleidung war früher eine Frage des Portemonnaies. Heute im Zeitalter von Konfektionsware ist es möglich, dass auch Herren mit schmalem Budget gut gekleidet sind. Sind sie aber i.d.R. nicht. Da drängen sich doch förmlich ein paar Fragen auf: Was ist uns wichtig? Welche Werte haben wir tatsächlich und wie präsentieren wir diese nach außen?

Schöne neue Welt...

2. März 2011 um 23:49  
Anonymous Anonym meinte...

ich glaube, die Wichtigkeit liegt im dazugehören und im Trend bleiben... Im Augenblick sehen manche aus, als wenn ihr Sakko im Trockner gewesen wäre. Länge zu kurz, Ärmel umgekrempelt, Hosen Hochwasser, zu eng in der Fußweite. Na ja, über Geschmack lässt sich streiten. Elegante Herrenkleidung? Stil? Nein...Mode;)

20. März 2013 um 23:53  
Anonymous gutscheine zum ausdrucken meinte...

sehr guter Beitrag

31. März 2013 um 09:51  

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