Donnerstag, 14. November 2013

Von Brötchen und Kirchenfürsten

Als ich neulich mit einem Freund in dessen Münchener Bar zusammensaß, sprachen wir über meine neuesten Bücher. In diesem Zusammenhang kritisierte er, dass man heute immer nur über Kleidung schreibt, viel zu wenig aber über die Manieren. 

Ich gebe zu, dass ich gern über Kleidung schreibe und weniger gern über Manieren. Dennoch ist es so, dass mich schlechtes oder falsches Benehmen ärgert. Anscheinend gibt es nur noch wenige Eltern, die ihren Kindern ein paar Grundregeln beibringen. Und das seit gut zwei Jahrzehnten. Anders ist es nicht zu erklären, dass viele Mittdreißiger nicht wissen, wie man anständig isst. 90 Prozent der Leute, mit denen ich den Frühstücksraum im Hotel teilen muss, scheint diese Kenntnis jedenfalls zu fehlen.

Es ist unwichtig, ob man spontan weiß, wie ein Hummer fachgerecht zerlegt wird. Es würde schon reichen, wenn man ein Brötchen manierlich verzehren kann. Leider konzentrieren sich viele der so genannten "Knigge-Experten" auf Spezialfragen, wie z. B. die Anrede von Botschaftern oder Kirchenfürsten. Wer trifft schon Botschafter? Und welchen Kirchenfürsten kümmert es, ob ihn jemand als Hochwürden, Exzellenz, Eminenz oder Herr Kardinal anredet? Selbst der Papst lässt sich ja mittlerweile duzen. Viel entscheidender ist es, wie wir den Leuten begegnen, die wir jeden Tag um uns haben. Im Büro, im Zug, auf der Straße. Und im Frühstücksraum.

3 Kommentare:

Anonymous Anonym meinte...

Sehr geehrter Herr Roetzel,

Meiner bescheidenen Meinung nach sollte man hier unterscheiden zwischen Stil und Manieren. Stil ist vor Allem geprägt durch Form und damit logischerweise statisch. Manieren haben frei nach Knigge etwas mit dem Umgang der Menschen untereinander zu tun. Dieser ist weniger geprägt durch feste Regeln als durch Respekt in Form von Aufmerksamkeit. Was Sie beklagen ist wohl ehr mangelnder Stil als fehlende Manieren. Wobei hier natürlich nicht verschwiegen werden soll, dass an gewissen Schnittpunkten fehlende Manieren etwas mit mangelndem Stil zu tun haben

mit freundlichen Grüßen

Andreas von Fallersleben

14. November 2013 um 02:34  
Blogger Bernhard Roetzel meinte...

Stilvolles Benehmen ist eine Sache, manierliches Benehmen eine andere. Stil zu haben ist wiederum etwas anderes. Mir geht es darum, dass man Rücksicht nimmt (heute ein Fremdwort) und sich der Umwelt nicht über Gebühr zumutet.

14. November 2013 um 02:46  
Anonymous Anonym meinte...

Wir sind in der Masse unserer Gesellschaft von guten Manieren sehr weit entfernt - zu beklagen ist doch bereits eine fehlende Rücksichtnahme auf Anwesende, wie man sie täglich u.a. im ÖPNV erleben darf: liegengelassener Müll, lautstarke Diskussion in Beziehungsproblemen, Senioren wird kein Platz in der vollbesetzten Bahn angeboten, etc...es wäre eine Anstrengung wert, das Bewusstsein für Respekt und Rücksichtnahme in der Gesellschaft zu wecken. Von der Rücksichtnahme zu den guten Manieren ist es dann nur ein kleiner Schritt.

30. November 2013 um 09:33  

Kommentar veröffentlichen

Abonnieren Kommentare zum Post [Atom]

<< Startseite